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Frauensteine

Frauensteine

„Hier braucht es, dächt` ich, keiner Zauberworte: Die Geister finden sich von selbst zu Orte“.

Johann Wolfgang von Goethe

Die Frauensteine im Aaper Wald sind ein vergessener Kraftort in Düsseldorf. Trotz zahlreicher Spaziergänger und äußerer Eingriffe hat dieser Kraftort weder seine Kraft noch seine Lebendigkeit eingebüßt. Ein vordergründiger Dornröschenschlaf liegt über dieser heiligen Stätte.

Mythen und Legenden vermitteln uns eine Ahnung von der einstigen Nutzung dieses Ortes. Seine geheimnisvolle Vergangenheit sollte uns nicht täuschen: Wenn wir diesen Ort pflegen und wertschätzen,  können wir jederzeit an seine Qualitäten anknüpfen. Er vermittelt uns eine tiefgründige Naturerfahrung, Verbundenheit zu den Ahnen sowie den Urklang der ewigen Stille. Denn das Erleben wahrer Stille ist eine reichhaltige Erfahrung. Sie ist wie die tiefe Liebe zweier Menschen, welche diese Liebe nicht in Worte auszudrücken vermögen.

 

 

Einer Sage nach war der UrRhein über die Ufer getreten und hatte das ganze Land überflutet. Die Menschen flohen auf die Höhen des Aaper Waldes und errichteten mit Steinen einen Altar. Auf diesem opferte eine Priesterin ihr schneeweißes Lieblingspferd, um Wotan zu bitten, die Fluten zu bannen.

Diese Sage verdeutlicht in besonderer Weise den Glauben unserer Vorfahren an die Welt der Elfen oder Elben. Diese wunderschönen Wesen leben in ihrer eigenen zeitlichen Dimension. Jahre und Jahrzehnte auf der Erde erleben sie in Sekundenbruchteilen. Ihre Welt ist von Schönheit und Musik geprägt. Sie zeigen Interesse an der Menschenwelt, wenn sie dort besondere Schönheit oder wohlklingende Musik vernehmen. Die Elben versuchten sich dieser Schönheit zu bemächtigen. Der Neid der Elben war bekannt und gefürchtet zugleich. Um diesem Neid zu umgehen, wurden bspw. von besonders schönen Kindern Haarsträhnen abgeschnitten und an die Elben geopfert, um sie vor einem Raub durch die Elben zu schützen. Es liegt nahe, dass das Lieblingspferd der Priesterin ein solches Elbenopfer war, das aufgrund seiner Reinheit und Schönheit der örtlichen Bevölkerung das Leben retten konnte.

Der moderne Mensch mag über einen derartigen Volksglauben nur staunen. Wir haben längst den Bezug zu den feinstofflichen Wesen verloren, die mit uns gemeinsam die Erde bewohnen. Die unweigerlichen Folgen dieses Verlustes sind Gefühle des Getrenntseins, der Ohnmacht, Einsamkeit sowie eine seelische Verarmung. Schicksalsschläge und traumatische Erfahrungen können wir uns nicht erklären und das zurückbleibende Gefühl der Ohnmacht ist meist schlimmer als das schicksalhafte Ereignis selbst.

Unsere Vorfahren mögen mit Dürrezeiten, Überschwemmungen, Plünderungen und Hungersnöten gekämpft haben, aber psychische Erkrankungen, wie wir sie heute kennen, sind nicht überliefert. Die gefühlte Einbindung in einen lebendigen und ansprechbaren Kosmos sorgte für Riten und Möglichkeiten selbst mit lebensbedrohlichen Situationen umzugehen und sich diese erklären zu können.

 

„Der Mensch fürchtet das Neue, weil er das Alte nicht versteht.“

 

Eine andere Legende erzählt, dass nach einem Gerichtsspruch sieben Frauen in Stein verwandelt wurden.

Die Steingruppe wird im Volksmund Sibbe Steen (Siebenstein) oder Witte Wiewerkes (weiße oder weise Frauen) genannt.

Für die Nutzung als germanische Kultstätte spricht der ehemalige Name des Stadtteils Grafenberg, der bis ins 17. Jahrhundert als Godesbusch (Gottesbusch) oder Godesburg bekannt war.

Eine Opferung von „7“ deutet auf die Erbringung eines weltlichen Opfers hin. Die 7 ist eine Zahl, die in besonderer Weise mit dem irdischen Leben in Verbindung steht. Man denke nur an die 7 Wochentage, die 7 ehemals bekannten Planeten, die 7 himmlischen Tugenden etc. Die 7 ist zugleich eine Zahl der Wandlung und Veränderung. Denn das Leben ist letzlich immer in Verändungen begriffen. Möglicherweise wurde auch hier den Göttern für einen bestimmten Zweck geopfert, um stabile Verhältnisse oder Frieden zu erhalten.

Der Glaube an den Austausch und die Verhandlung mit den eher „dunklen Kräften“ des Universums ist dem modernen Menschen gleichfalls abhandengekommen. Man fürchtet oder ignoriert diesen Teil des menschlichen Seins, was einen Verlust von menschlicher Ganzheit zur Folge hat. Im jüdischen Volksglauben finden wir jedoch bis heute eine lebendige Praxis, die auf der grundlegenden Vorstellung beruht, dass man den Dämonen einen Teil des irdischen Wohlstands abgibt, um den Rest ungestört für sich behalten zu können. Vergleichbare Riten existieren in der „Speisung  der Vorstorbenen“ zu Halloween oder in sehr abgeschwächter Form zu Allerheiligen.

Nicht grundlos findet sich bei den Frauensteinen eine neuzeitliche Pflanzung von Eiben. Die Eibe ist der 13. Baum im keltischen Baumkalender. Die 13 ist die Zahl des Friedens. Die Eibe, bekannt als sog. Toten- oder Friedhofsbaum, ist somit nicht in den weltlichen Reigen der „12“ (Monate, Sternzeichen etc.) eingebunden. Sie verweist auf den Tod und ist eine Tür zur Anderswelt. Sie fungiert damit zugleich als Bindeglied für den Neubeginn des kosmischen Reigens. Somit ermöglicht die Eibe eine besondere Anknüpfung an die „dunkle“ feinstoffliche Welt und lässt uns die Leichtigkeit des Neubeginns erahnen.

 

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