„Die Mythen sind zeitlos, sie vermögen immer wieder in unsere Zeit einzubrechen oder sich aus ihr zurückzuziehen. Ob sie etwas bedeuten, liegt außerhalb ihrer Glaubwürdigkeit oder gar ihrer Existenz, es liegt daran, ob wir uns noch in ihnen wiederfinden oder nicht.“
Ängste, Krankheiten, Nöte sowie ausweglose Situationen gehören zum Leben. Aus diesem Grund existierten schon immer Orte, an denen Menschen Trost und Hilfe fanden; die Wallfahrtsorte. Eine Wallfahrt ist weit mehr als nur eine schöne Tradition. Es ist die erste Bewegung aus einer oft traumatisierenden Erstarrung, die Hinwendung zu etwas, was meine Wunden zu heilen vermag, der Aufbruch zu neuen Inhalten und Kräften. Wallfahrtsorte existieren in allen Kulturen und Religionen.
Im Mittelalter entstand die Gruppe der 14 Nothelfer. Diese verkörpern archetypische Nöte, die in jedem Zeitalter bestehen. Die „Hehner Nothelfer“ sind symbolreich und farbenfroh ausgestattet. Ihre Legenden erlauben es uns, die eigenen Krankheiten ohne Angst und Schuldgefühle anzusehen. Die Nothelfer sind Spiegel des eigenen Leidens und zugleich Repräsentanten des Heilsweges. Sie stärken die Hoffnung in uns, dass Gott auch unsere ganz persönlichen Wunden heilen wird.
Die Hehner Grotten sind kein Ort für rationale Auseinandersetzungen über mittelalterliche Formen der Volksfrömmigkeit oder die Ursachen des eigenen Schicksals. Jeder Nothelfer symbolisiert ein ganz besonderes Leiden und setzt in unserem Unterbewusstsein dessen ureigenen Heilungsprozess in Gang. Jeder der Helfer verfügt dazu über archetypische Attribute sowie seine volkstümliche Legende. Nicht umsonst mutet die steinerne Anlage hinter der Kirche St. Maria Heimsuchung märchehaft und verspielt an. Nachdenken ist nicht der Weg zum Wesenskern der Heiligen. Ist der Verstand zur Ruhe gebracht, geschieht Meditation von selbst und wahre Heilung in der Hinwendung zu Gott.
Die Hehner Grotten sind ein Kraftort, der unser unbewusstes Heilungspotenzial nachhaltig aktivieren kann. Bei allen unbewussten Prozessen wirkt das, was wir nicht rational verstehen oder erklären können. Wollen wir diesen Prozess verstärken, kann eine bewusste Auseinandersetzung mit den jeweiligen Heiligen wirkungsvoll sein.
Die Hehner Grotten befinden sich unmittelbar hinter der Kirche St. Maria Heimsuchung. Der Zugang ist frei.
Die einzelnen Nothelfer:
Der Heilige Achatius: Ein Helfer bei Todesangst
Der Heilige Erasmus: Guter Umgang mit Aggressionen
Der Heilige Blasius: Vitalität und Sexualität
Der Heilige Aegidius: Innere Klarheit bei Hauterkrankungen/Allergien
Der Heilige Christophorus: Sich Veränderungen stellen
Der Heilige Eustachius: In Beziehungen leben
Der Heilige Georg: Wege aus der Depression
Der Heilige Dionysius: Kopfschmerz als Warnung
Der Heilige Cyriakus: Sich von Zwängen befreien
Die Heilige Katharina: Scheitern und Neubeginn
Die Heilige Margarete: Vom Umgang mit dem eigenen Schatten
Die Heilige Barbara: Von Erwartungen Anderer frei werden
Der Heilige Pantaleon: Neue Kraft bei Erschöpfung
Der Heilige Vitus: Der Kreis des Lebens
In einer gesonderten Grotte wird der Heilige Rochus verehrt. Der Heilige Rochus ist ein legendärer Volksheiliger, der auf seiner Pilgerreise nach Rom zahlreichen Pestkranken geholfen haben soll.